Landschaft

Der Lassaner Winkel liegt im südlichen Küstenstreifen vor der Insel Usedom und grenzt im Nordosten an den Peenestrom. Er befindet sich auf einer während der letzten Eiszeit entstandenen Grundmoränenfläche und ist von sanften Hügeln, weit ausschwingenden Feldern und Wiesen, Wäldern, verträumten Dörfern und vielen kleinen Seen, in denen sich der Himmel spiegelt, geprägt: den „Himmelsaugen“. Diese naturgeschützten sogenannten Sölle sind kleine, zumeist mit Wasser gefüllte Senken, die etwa vor 10.000 bis 14.000 Jahren entstanden sind und heute artenreiche Biotope bilden. Während beträchtliche Flächen der Niederungen des Lassaner Winkels durch die Agrarindustrie genutzt werden (Getreide und Raps), wird ein anderer, kleinerer Teil ökologisch bewirtschaftet wie zum Beispiel vom Brennesselhof Wangelkow, vom Teekräuteranbau der Firma Kräutergarten Pommerland oder vom Hof Schwarze Schafe. Trotz der starken Prägung dieser ursprünglich dicht bewaldeten Landschaft durch die Agrarindustrie, findet man hier etliche stille Naturorte, und Wanderer, die die Pirsch durchs Dickicht nicht scheuen, sind oft über lange Zeit mit sich, den Bäumen, Büschen, Wildblumen und Tieren allein.

Die Wälder der Region sind zumeist mit Kiefern, Buchen, Eichen und Erlen bewachsen, wobei Spaziergänger auch verschwiegene, moorige Niederungen mit üppig grünenden Kräutern, dunkel rufenden Unken und schimmernden Libellen entdecken können.

Im Lassaner Winkel gibt es viele Seen, in deren Umfeld eine besondere Stille spürbar ist. Anstelle von touristischer Infrastruktur und Neubauten begegnet man hier von der Fischotter über Haubentaucher bis zum Violetten Ölkäfer geheimnisvollen Tierwelten und einer Vielfalt von Pflanzen wie Lilien, Wasserdost, Mädesüß und Holunder, Schlehen, Weißdorn oder Wildrosen, die im Frühling wunderbar blühen.

Im Lassaner Winkel finden Gäste noch manche Alleen, die mit alten Linden- und Ahornbäumen, Kastanien oder Obstbäumen die Straßen umsäumen. Die wohl älteste ist die Lindenallee vor dem Gutshaus in Wehrland-Bauer, eine weitere, sehr schöne, liegt in dem Dorf Klotzow, und eine poetische Ahornallee führt aus dem Dorf Klein Jasedow nach Papendorf, Pulow und Lassan. Zwischen letzteren beiden Ortschaften erstreckt sich eine weite Mirabellenallee, durch die man im Frühling wie durch ein Blütenmeer wandert und von Juli bis Oktober die schönsten Früchte ernten kann. An die zehn Sorten in verschiedensten Farben, – von dunkelblau über leuchtend orange und rot bis hin zu kleinen, hellgelben Früchten, leuchten hier vom Straßenrand. Auch uralten Baumriesen begegnet man auf den Wegen durch den Lassaner Winkel, so zum Beispiel im Umfeld der Dorfkirche Wehrland-Bauer, von wo aus der Blick über die Weite des Peenestroms bis hin zur gegenüberliegenden Steilküste der Insel Usedom schweift.

Das Licht in dieser Landschaft ist von einzigartiger Schönheit. Es hat eine besondere Helligkeit, Klarheit und Tiefe – durch die Bewegung des Windes und die Feuchtigkeit der Luft entsteht eine Anmutung, als lägen leichte Schleier über dem Land. Nicht umsonst hat diese Region Deutschlands Maler wie Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge zu Kunstwerken inspiriert, aus denen Ruhe wie Wildheit, Freude und Melancholie sprechen.

Zur Landschaft im weiteren Sinn gehört auch das Wasser – das „Achterwasser“ hinter der Insel Usedom, der Wasserweg zum Stettiner Haff und der Peenestrom. Er wird bisweilen als der „Amazonas des Nordens“ bezeichnet, da seine Ufer über lange Strecken naturbelassen sind. Wer den Lassaner Winkel auf einem Segelboot im Achterwasser oder einem Kanu in der Peene erlebt, kann spüren, wie stark der Lebensraum dieser Region vom Wasser geprägt ist. Von dort aus das Land zu betrachten, verändert die Perspektive, denn es wird noch mehr von seiner Sanftheit und Verwobenheit mit dem feuchten Element erkennbar.